Narben gehören zum natürlichen Heilungsprozess der Haut. Nach einer Operation braucht das Gewebe Zeit, um sich zu regenerieren und neu zu organisieren. Dabei kann sich eine Narbe über viele Monate hinweg verändern. Gerade am Anfang kann sie gerötet, fester, empfindlich oder gespannt sein.
Eine Möglichkeit der Narbenpflege mit Silikon nach einer OP ist die Anwendung von Silikongel oder Silikonpflastern. Beide können auf vollständig geschlossener Haut eingesetzt werden und unterscheiden sich vor allem in ihrer Anwendung und darin, für welche Körperstellen sie besonders praktisch sind. ♡
Doch wie wirkt Silikon bei Narben? Ab wann darf man nach einer OP mit der Narbenpflege beginnen? Und wann eignet sich ein Silikongel besser als ein Silikonpflaster?
Wie wirkt Silikon bei der Narbenpflege?
Medizinisches Silikon wird bereits seit vielen Jahren zur Narbenpflege eingesetzt. Dabei kommen sowohl Silikongele als auch Silikonpflaster beziehungsweise Silikonfolien zum Einsatz.
Silikon bildet auf der vollständig geschlossenen Haut eine dünne, semi-okklusive Schicht. Dadurch wird der transepidermale Wasserverlust reduziert und die Feuchtigkeit im Narbenbereich besser gehalten. Diese Okklusion und Hydratation gelten als zentrale Wirkprinzipien und können dazu beitragen, dass Narbengewebe weicher und elastischer wird.
Silikonprodukte werden unter anderem bei hypertrophen Narben eingesetzt. Dabei handelt es sich um verdickte und erhabene Narben, die innerhalb der ursprünglichen Wundgrenzen bleiben.
Silikon gehört zu den etablierten konservativen Möglichkeiten in der Behandlung auffälliger Narben, insbesondere hypertropher Narben. Es besteht die Möglichkeit der Verbesserungen von Rötung, Erhabenheit, Härte sowie Beschwerden wie Juckreiz und Schmerzen.
Silikon ist kein Versprechen, dass eine Narbe vollständig verschwindet. Ziel der Anwendung ist vielmehr, die Narbenreifung zu unterstützen und auffällige Narbeneigenschaften beziehungsweise Beschwerden möglichst günstig zu beeinflussen.
Ab wann darf man nach einer OP mit der Narbenpflege beginnen?
Eine der wichtigsten Fragen bei der Narbenpflege nach einer OP betrifft den richtigen Zeitpunkt.
Silikongel und Silikonpflaster sollten nicht auf offene, nässende oder noch nicht vollständig verheilte Wunden aufgetragen werden. Auch solange noch Wundschorf vorhanden ist, sollte mit der Silikonpflege gewartet werden.
Grundsätzlich beginnt die Anwendung erst nach abgeschlossener Wundheilung, wenn die Haut vollständig geschlossen und ausreichend verheilt ist. Es ist empfohlen, mit der Silikonbehandlung dann möglichst früh zu beginnen. Einen festen Zeitpunkt in Tagen oder Wochen gibt es jedoch nicht, da der Wundverschluss individuell verläuft.
- der Art der Operation
- der Körperregion
- dem individuellen Heilungsverlauf
- möglichen Wundheilungsstörungen
- den Empfehlungen des Behandlungsteams
Gerade nach einem operativen Eingriff sollte der Start der Narbenpflege deshalb mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
♡ Lesen Sie außerdem: Die richtige Narbenpflege nach einer OP
Silikongel oder Silikonpflaster für Narben: Was ist der Unterschied?
Silikongel und Silikonpflaster verfolgen ein ähnliches Prinzip, unterscheiden sich aber in ihrer Anwendung. Welche Variante besser geeignet ist, hängt vor allem von der Form und Lage der Narbe sowie vom Alltag der jeweiligen Person ab.
Silikongel für flexible Narbenpflege
Ein Silikongel wird dünn direkt auf die vollständig geschlossene Narbe aufgetragen und trocknet anschließend auf der Haut.
Silikongel kann besonders praktisch sein bei:
- kleineren Narben
- unregelmäßig verlaufenden Narben
- beweglichen Körperstellen
- Bereichen, an denen ein Pflaster schwer haftet
- einer möglichst unauffälligen Anwendung im Alltag
Dadurch lässt sich das Gel flexibel an unterschiedliche Körperregionen anpassen.
Silikonpflaster für längere oder gut zugängliche Narben
Silikonpflaster werden direkt auf die geschlossene Narbe gelegt und bleiben dort über einen längeren Zeitraum mit der Haut in Kontakt.
Sie können sich besonders eignen für:
- längere lineare Operationsnarben
- Narben am Bauch
- Narben im Brustbereich
- Kaiserschnittnarben
- größere oder klar abgegrenzte Narbenbereiche
Je nach Verlauf und Form einer Narbe kann auch der Zuschnitt des Silikonpflasters eine Rolle spielen.
Für verschiedene Operationsnarben gibt es deshalb unterschiedliche Formen, beispielsweise unsere STRIP01, LOLLIPOP oder ANCHOR.
♡ Mehr dazu: Narbengel vs. Narbenpflaster: Welches Produkt ist besser für meine Narbenheilung geeignet?
Bei welchen Narben kann Silikonpflege sinnvoll sein?
Silikonprodukte können bei verschiedenen vollständig geschlossenen Narben zum Einsatz kommen.
- Narben nach Brustoperationen
- Narben nach einer Bauchdeckenstraffung
- kleinere Narben nach einer Liposuktion
- Kaiserschnittnarben
- hypertrophe Narben
- andere postoperative Narben
Vor allem bei hypertrophen, also verdickten und erhabenen Narben, wird Silikon häufig als konservative Maßnahme eingesetzt. Silikonpflaster und Silikongele können durch Okklusion und Hydratation dazu beitragen, das Narbengewebe weicher und flacher erscheinen zu lassen sowie Rötung und Beschwerden zu reduzieren.
Davon zu unterscheiden sind Keloide. Sie wachsen über die ursprüngliche Wundgrenze hinaus. Bei einer solchen Narbenentwicklung sollte die Behandlung ärztlich begleitet werden.
Kann Silikon helfen, wenn eine Narbe juckt oder spannt?
Während der Narbenheilung kann es vorkommen, dass eine Narbe zeitweise juckt, spannt oder empfindlicher ist. Besonders in der Phase, in der sich das Narbengewebe weiter verändert, sind solche Beschwerden möglich.
Silikon schließt Feuchtigkeit im Narbenbereich ein und reduziert den Wasserverlust über die Haut. Dieser Okklusionseffekt kann das Narbengewebe weicher und elastischer machen. Juckreiz, Spannungsgefühl und Narbenschmerzen können unter einer Silikonbehandlung abnehmen.
Juckreiz ist allerdings nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass alles normal verheilt. Wird er stärker oder treten zusätzlich deutliche Rötung, Überwärmung, Schmerzen oder Flüssigkeitsaustritt auf, sollte die Narbe ärztlich kontrolliert werden.
Wie lange sollte man Narbenpflege mit Silikon durchführen?
Eine Narbe verändert sich nicht nur in den ersten Tagen oder Wochen nach einer Operation. Die sogenannte Narbenreifung kann mehrere Monate dauern.
Entsprechend wird auch die Narbenpflege mit Silikon häufig über mehrere Monate durchgeführt. In älteren fachmedizinischen Empfehlungen werden für Silikongel beispielsweise Anwendungszeiträume von etwa zwei bis sechs Monaten genannt. Die konkrete Dauer und Häufigkeit sollte sich jedoch immer nach dem verwendeten Produkt, dem Heilungsverlauf und der Empfehlung des Behandlungsteams richten.
Wie lange ein Silikongel oder Silikonpflaster verwendet werden sollte, hängt unter anderem ab von:
- der Art der Narbe
- dem Heilungsverlauf
- der Körperregion
- dem verwendeten Produkt
- den Empfehlungen des Behandlungsteams
Wichtig ist vor allem eine regelmäßige Anwendung nach den jeweiligen Herstellerangaben.
Wer nach wenigen Tagen noch keine sichtbare Veränderung erkennt, sollte deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass die Narbenpflege keinen Effekt hat. Narben verändern sich langsam.
♡ Lesen Sie hier weiter: Vom Heilen zum Verblassen: Ihr Guide für eine erfolgreiche Narbenpflege
Was sollte man bei der Anwendung von Silikon beachten?
Damit Silikongel und Silikonpflaster möglichst problemlos angewendet werden können, sollten einige grundlegende Punkte berücksichtigt werden:
- Silikon nur auf vollständig geschlossener Haut anwenden
- nicht auf offene oder nässende Wunden auftragen
- die Haut entsprechend den Herstellerangaben sauber und trocken halten
- die empfohlene Trage- oder Trocknungszeit beachten
- Silikonpflaster nach den jeweiligen Pflegehinweisen reinigen beziehungsweise wechseln
- die Haut regelmäßig auf Irritationen kontrollieren
Treten deutliche Hautreaktionen auf, sollte die Anwendung unterbrochen und medizinischer Rat eingeholt werden.
Wann sollte eine Narbe ärztlich kontrolliert werden?
Nicht jede Veränderung während der Narbenheilung ist automatisch problematisch. Einige Beschwerden sollten jedoch medizinisch beurteilt werden.
- zunehmende oder starke Schmerzen
- deutlich stärker werdende Rötung
- Überwärmung
- Nässen oder Eiter
- erneutes Öffnen der Wunde
- schnell zunehmende Verdickung
- starke Hautreaktionen
- plötzlich neu auftretende Beschwerden an einer bereits länger abgeheilten Narbe
Silikongel oder Silikonpflaster ersetzen in solchen Fällen keine medizinische Untersuchung.
Fazit: Silikon als Teil der Narbenpflege nach einer OP
Die Narbenpflege mit Silikon kann nach abgeschlossener Wundheilung die weitere Narbenreifung unterstützen. Als zentrale Wirkmechanismen gelten vor allem Okklusion und Hydratation: Silikon reduziert den Feuchtigkeitsverlust der Haut und schafft dadurch Bedingungen, unter denen Narbengewebe weicher und elastischer werden kann.
Silikongel und Silikonpflaster unterscheiden sich vor allem in ihrer Anwendung. Gel lässt sich flexibel auf unterschiedliche Körperregionen auftragen. Pflaster können sich besonders für längere oder klar abgegrenzte Operationsnarben eignen.
Entscheidend ist dabei der richtige Zeitpunkt. Silikon sollte erst auf vollständig geschlossener und ausreichend verheilter Haut angewendet werden.
Da sich Narben über viele Monate hinweg verändern können, ist auch die Narbenpflege ein langfristiger Prozess. Welche Form der Silikonpflege im individuellen Fall sinnvoll ist, kann gemeinsam mit dem Behandlungsteam entschieden werden.
☛ Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wann und wie Sie mit der Narbenpflege beginnen und wie lange Sie sie anwenden, sollte individuell mit Ihrem Behandlungsteam abgestimmt werden.
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- Narbenpflege mit Silikontherapie
Quellen:
- Pharmazeutische Zeitung: Narbenbehandlung mit Silikon-Gel
- Deutsches Ärzteblatt: Narbenbehandlung - Silikongel okkludiert wie eine Folie
- Dermatologikum Hamburg: Narbenbehandlung
- Biodermis: Was bewirken Silikon-Narbenpflaster? Wirkung erklärt
- Biodermis: Silikon Narbenpflaster Erfahrungen 2026
- Auetal-Apotheke: Narbenpflege und Narbenbehandlung
- Cochrane: Silicone gel sheeting for treating hypertrophic scars
- American Academy of Dermatology: Scars - Diagnosis and treatment
- American Academy of Dermatology: Keloid scars - Diagnosis and treatment
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